Mein Leben als lexikalische Lücke ~ Kyra Groh [Rezension]

 

gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Arctis ein Imprint der Atrium Verlag AG
Erscheinungstermin: 18.03.2021
ISBN: 978-3038800446
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
Preis: 18,00 € / eBook: 13,99 €
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Benni macht ein Praktikum im Frankfurter Krankenhaus und hat Angst, dass er es nie schaffen wird: Blut abzunehmen, vom nerdigen Benni zum coolen Ben zu werden, den allgegenwärtigen Kruzifixen in der beengten Wohnung seiner Mutter zu entkommen. Eingeengt fühlt sich auch Jule, und zwar von dem Weltbild ihrer Eltern. Denn die haben absolut kein Verständnis für vegane Ernährung, Freitagsdemonstrationen oder Anti-Rassismus-Plakate. Und sie würden schon gar nicht verstehen, dass ihre Tochter eigene Ideale vertritt und Teil einer Veränderung sein möchte, die die Welt so dringend braucht. Als die beiden innerlich zerrissenen Teenager aufeinandertreffen, wird ihr Leben bunter, komplizierter, aber auch so viel erträglicher!

 

 

 

Das Teenager-Alter ist nicht leicht. Für Benni und Jule im Moment ganz besonders. Beide fühlen sich in ihrem Leben fehl am Platz und Unverstanden.

Benni hat sich vorgenommen bei seinem Praktikum im Krankenhaus nun endlich cooler zu werden. Denn er kann ja nicht immer der kleine Benni seiner Mum bleiben. Er möchte endlich Ben sein. Ein achtzehn-jähriger junger Mann mit einem beginnenden eigenen Leben. Doch seine streng gläubige Mutter mit ihren allgegenwärtigen christlichen Belehrungen und die enge Wohnung machen es Ben schwer. Zerrissen zwischen dem Wunsch nach einem eigenen Leben und der Verantwortung für seine Mutter, die ohne ihn nicht sein kann, versucht Ben einen eigenen Weg zu finden, der allem gerecht wird.

Jule fühlt sich von dem Weltbild ihrer Eltern ebenfalls unverstanden und beengt. Sie traut sich nicht zu sagen, dass sie Veganerin und Umweltaktivistin ist. Dazu kommen die stets rassistischen Äußerungen ihrer Familie, die sie nicht tolerieren kann und will. Doch wird sie ihre eigenen Ideale ihrer Familie näher bringen können oder schweigend in dieser Welt verbleiben und sich niemals frei äußern können in ihrer Familie?

Als beide aufeinander treffen wird das Leben zunehmend komplizierter, aber auch um so viele Facetten reicher. Werden die beiden weiter lexikalische Lücken bleiben oder sich ihren Platz erkämpfen?

Diese Buch ist so angefüllt mit spannenden und wichtigen Themen, denen man sich gar nicht in einem Schwung widmen kann. Deshalb musste ich das Buch auch erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor ich etwas dazu schreibe. Es werden mehrere Arten von Extremismus gezeigt und zwei junge Menschen, die ihren Platz in dieser Welt noch nicht gefunden haben. Jules Eltern äußern sich so oft negativ und sind sich aber gar nicht wirklich klar welche Auswirkungen das auf ihre Kinder haben würde. Während Jule ein genaues Gefühl dafür hat, dass das falsch ist, weiß Jules Bruder das anscheinend nicht und versumpft in der Welt der Rechten immer mehr. Doch meinen Jules Eltern alles wirklich so? Ist ihnen egal wie ihre Tochter sich fühlt? Wird Jule es wagen zu widersprechen und ihr Leben als lexikalische Lücke hinter sich zu lassen?

Dem gegenüber steht die strenge Gläubigkeit von Bennis Mutter. Auch hier kann sich das Kind nicht entfalten, weil das Weltbild der Mutter aufgedrückt wird. Muss ein Kind den Glauben der Eltern teilen und sich anpassen? Oder darf das Kind sich nicht selbst entwickeln? Benni schränkt sich sehr stark ein, um seiner Mutter eine Stütze zu sein. Beginnend damit wann er nach Hause kommt. Seine Mutter will immer wissen wo er ist. Ob er schon volljährig ist, spielt keine Rolle für sie. Kein Wunder fühlt auch er sich wie eine lexikalische Lücke.

Mich haben beide Situationen sehr beschäftigt und erschreckt. Ich finde Eltern sollten ihre Kinder unterstützen. Doch nie so massiv eingreifen, dass die Kinder keine eigenen Erfahrungen machen dürfen.

Die Art wie beide damit umgehen hat mich gefesselt. Die Handlung entwickelt sich sehr langsam und man braucht ein wenig Geduld und Zeit um sich auf das Buch einzulassen. Hier hätte ich mir an einigen Stellen eine etwas schnellere Entwicklung gewünscht. So dauert es recht lang bis Benni und Jule sich treffen und die Handlung ein wenig an Fahrt aufnimmt. Doch der wunderbare Schreibstil hat mich an die Seiten gefesselt und ab der ersten Begegnung der beiden hat sich das Buch sehr schnell und flüssig gelesen.

Am Anfang jedes Kapitels findet sich ein Wort des Tages, das Benni sehr gerne in seine Notizbücher schreibt um seinen Wortschatz zu erweitern. Einige der Wörter kannte ich noch gar nicht und fand es spannend festzustellen, dass es für gewisse Dinge im Leben kein deutsches Wort gibt und da die lexikalische Lücke sich spiegelt.

Den Schauplatz Frankfurt fand ich toll, weil ich ja nicht weit weg wohne und einige der Orte kenne. Einen Besuch im “Aroma” werde ich nach dem Lesen definitiv machen, denn die Bilder der Falafel machen wahnsinnig Hunger. Ich bin sicher die Autorin kennt die Locations hier sehr gut und hat sicher auch schon hier gegessen nach den Beschreibungen des Handlungsortes. Mir macht es immer Spaß, wenn etwas gut recherchiert ist, oder man zumindest schon einmal dort war wo das Buch spielt. Denn das merkt man beim Lesen definitiv.

 

 

 

“Mein Leben als lexikalische Lücke” kann man nicht einfach zu Seite legen, ohne sich über grundlegende Dinge Gedanken zu machen. Die Entwicklung der Jugend, Umweltschutz, Veganismus, Rechtsradikalisierung, übertriebene Gläubigkeit und viele andere Themen finden sich in diesem Buch. Ich habe mir im Laufe des Lesens viele Gedanken gemacht und mein eigenes Handeln hinterfragt.

Ich vergebe hier:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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