Ewig und Du ~ Emily Bähr [Rezension]

eBook: 347 Seiten
Verlag: Impress
Erscheinungstermin: 04.01.2018
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
ASIN: B0766242YD
Preis 3,99 €
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Nach einem Unfall und langem Koma ist die 18 Jährige Lefke an den Rollstuhl gefesselt. Ihre Zeit als Schulprinzessin ist damit vorbei und auch die Karriere Model und Balletttänzerin kann sie nun an den Nagel hängen. Sie kann sich nicht vorstellen jemals wieder glücklich zu sein und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Sie will sterben. Doch gerade als sie sich vom Dach stürzen will taucht ihr attraktiver Nachbar Louis auf. Er stellt ungemütliche Fragen und hat viele Ausflugspläne. Jeden Tag aufs Neue. Bis Lefkes Leben nicht mehr ganz so schwarz aussieht.

 

 

 

Ich gestehe, dass mir zuallererst das Cover aufgefallen ist und ich da schon wusste: Ich muss es lesen. Der Klappentext hat mich dann restlos überzeugt und ich freute mich auf eine emotionale und doch spannende und unterhaltsame Geschichte. Was ich bekommen habe hat nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen.

Zunächst ist da die Hauptprotagonistin Lefke, mit der ich nicht wirklich warm werden konnte. Sie ist ein sehr egoistischer mensch und sieht sich selbst als das Zentrum der Welt. Dies wird im Laufe des Buches zwar etwas besser, aber ihr Charakter konnte mir dennoch nicht ans Herz wachsen. Da wäre zunächst ihr kühle und distanzierte Art. Nicht nur, wenn es um die ehemals von ihr gemobbten Mitschüler geht, sondern auch ihrer Familie gegenüber ist sie stets kühl und nichts scheint sie wirklich emotional zu berühren.

Die an Demenz erkrankte Großmutter ist weg und sie macht sich insgeheim noch lustig darüber, was die alte Dame so alles anstellen könnte. Ich würde vor Sorge vergehen, weinen, zittern und beten, dass die Oma wieder gesund und munter gefunden wird.

Auch die ehemaligen Opfer der Mobbing-Queen, sieht sie plötzlich als selbstverständliche Ersatz-Freunde an und die machen das auch noch mit. Sie entschuldigt sich nicht mal wirklich für all die Gemeinheiten und dennoch scheinen sie in den Köpfen der Opfer plötzlich wie weggewischt zu sein. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass man es nie vergisst, wenn man in der Schule mit dem nassen schwamm beworfen wurde oder mit Brotkrusten. Wenn man für die Bitte, doch wenigstens ignoriert zu werden einen Tritt vors Schienbein bekommt, der wochenlang schmerzt. Auch hier habe ich selbst auf dem 10 Jährigen Abi-Treffen von niemandem eine Entschuldigung gehört. Und zumindest diese erwarte ich nach wie vor. Eine Einsicht wie schlimm diese Leute zu mir waren. Doch selbst im Abi-Buch steht drin: „woran wir uns aus der alten Klasse „F“ erinnern „Als Claudia uns die Schwimmstunde versaut hat!“ “ Tja, das war als ich weinend zusammengebrochen bin nachdem mich alle wüst beschimpft haben und gesagt haben ich solle die Schule wechseln es könne mich eh keiner leiden! Und die besagten Brotreste flogen. Der Lehrer fand mich so auf dem Gang und da er unsere Sportlehrer war sagte er die Schwimm-Stunde ab, um mit meiner lieben Klasse zu reden. Viel gebracht hat es leider nicht, aber ich war ihm für den Versuch sehr dankbar.

Ich gestehe selbst wenn einer von ihnen einen Unfall gehabt hätte und im Rollstuhl säße, wie Lefke, würde ich dennoch fragen: „Und?Nun bin ich gut genug ja?“ Solche Narben gehen viel tiefer als die Autorin es hier dargestellt hat. Ich werde die furchtbare Zeit auf dieser Schule jedenfalls nie vergessen. Und genau deshalb waren viele Szenen für mich unverständlich.

Trotz dieser Differenzen, die ich mit dem Buch hatte, hat mich der Verlauf der Geschichte interessiert, weil zwei so verschiedene Menschen aufeinander treffen. Und kann ein Mensch einen anderen unbewusst verändern?

Selbst der Zynismus, den Lefke an den Tag legt, hat mich an einigen Stellen auch amüsieren können Zitat:

„Ihr kompletter Kleiderschrank ist mit Desigual-Klamotten zugemüllt (meiner Meinung nach sieht das meiste so aus als wäre man einmal mit der Nähmaschine durch die Altkleidersammlung gefahren), und sie liebt diese Haartücher, die man eigentlich schon seit den Fünfzigern nicht mehr trägt.“ (Zitat Kapitel 2)

Louis fand ich dagegen grandios und mochte es sehr, wie er beschrieben wurde. Ich habe recht schnell einen Draht zu ihm gehabt und vielleicht wäre die Geschichte aus seiner Sicht sogar besser gewesen. Hier hätte eine Distanziertheit zum Geschehen einfach besser hingepasst. Louis hat für mich auch immer wieder die Situationen gerettet in denen ich Lefke am liebsten angemeckert hätte.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu Lesen und passt in der jugendlichen Aussprache sehr gut zur Zielgruppe. So hatte ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Es handelt sich hier um einen in sich geschlossenen Einzelband.

 

 

 

Die Grund-Geschichte um die es geht hätte einiges mehr her gegeben, wenn Lefke eine Spur sympatischer gewesen wäre. Auch, dass Krankheiten wie Alzheimer so heruntergespielt werden hat mir nicht gefallen. Von der Beiläufigkeit mit der hier gemobbt wurde einmal ganz zu schweigen. Zum Ende hin wird es aber besser und ich hätte mir ganz zum Ende sogar noch ein paar Kapitel mehr gewünscht weil das Finale mir ein wenig zu schnell ging und ich hier gerne mehr gewusst hätte. Ihr seht ich bin völlig zwiegespalten und kann euch empfehlen zunächst einen Blick in die Leseprobe zu werfen und dann zu entscheiden.

Ich vergebe hier:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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